Hubert Breuer, Vorsitzender der LEADER-Region Eifel, bringt das Problem auf den Punkt: „Das Aussehen von Häusern und Siedlungen bestimmen die Baumärkte viel mehr als Gestaltungssatzungen und Bebauungspläne. Der regionale Bezug spielt häufig keine Rolle." Doch gerade das Bauen mit lokalen Materialien, örtliche Bauformen und die Gestaltung der Außenbereiche mit heimischen Gehölzen prägen das Bild der Dörfer. Die Eigenart der Ortsbilder ist für die Bewohner Heimat und Lebensqualität, für Gäste macht dies die Identität und den Erlebniswert des Urlaubortes aus.
„Was beim Urlaub in den Alpen als typisch für die dortige Region geschätzt wird, rückt bei vielen Eifeler Bauherren und Architekten im Zusammenhang mit dem eigenen Bauprojekt völlig in den Hintergrund", so Dahlems Bürgermeister Reinhold Müller. Die Sensibilität für die harmonische Einbindung in das Dorf- und Landschaftsbild fehle häufig. Von diesem Problem erzählten vielfach die Neubaugebiete mit ihrer uniformierten Erscheinung.
Dabei verfügt auch die Eifel über einen großen regionstypischen Gestaltungsschatz. Wer kennt nicht die zum Schutz vor den Westwinden tief heruntergezogenen Dächer der Vennhäuser und die umgebenden meterhohen Haushecken im Monschauer Land? Die Häuser ganzer Straßenzüge im Stolberger Raum sind aus dem dort vorkommenden Blaustein gebaut. Auch Fachwerkhäuser in ihren vielgestaltigen örtlichen Variationen sind für die meisten Menschen der Inbegriff von Ursprünglichkeit im Ortsbild.
„Da wo örtliche Auflagen für Bauherren nicht zum Ziel führen, kann der Blick über den kommunalen Tellerrand und die Zusammenarbeit mit den Nachbarn helfen," steht für Alexander Sobotta, Regionalmanager der LEADER-Region, fest. Die Kreise Aachen, Düren und Euskirchen sowie die 15 Städte und Gemeinden in der LEADER-Region Eifel haben deshalb gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Städtebau und Landesplanung der RWTH Aachen das Projekt „Planen, Bauen und Gestalten in der Eifel" entwickelt. Rund 67.000 Euro fließen nun aus dem EU-LEADER-Programm in das Projekt. Weitere Anteile an den Gesamtkosten von rund 154.000 Euro tragen die Kreise Düren und Euskirchen, die Städteregion Aachen, die 15 Kommunen und die RWTH Aachen.
Im Mittelpunkt des Projektes steht eine Kampagne zur Information und Sensibilisierung von Bürgern und Fachleuten für das bauhistorische Erbe. Das Team um Projektleiter Prof. Rolf Westerheide und seine Mitarbeiter Anne Eaton und Stefan Krapp wird dazu die prägenden Bau- und Siedlungstypologien der Region katalogisieren und beispielhafte planerische Testentwürfe erstellen. Die Ergebnisse werden zur Vermittlung an die unterschiedlichen Zielgruppen in Form von Planungshilfen, einer Online-Baukulturkarte, Ausstellungen, Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen aufbereitet.
„Moderne Wohnansprüche und Kostenbewusstsein müssen der regionstypischen Gestaltung nicht entgegenstehen", ist sich Rolf Westerheide sicher. „Minimalkonsens" nennt er die Lösung. Auch kleinere gestalterische Referenzen an die örtliche Baukultur wie die Dachform, einzelne Holz- oder Bruchsteinelement oder die Art der Grundstückseinfriedung haben demnach bereits eine große Auswirkung auf die äußere Erscheinung.
Pressekontakt:
Regionalmanagement der LEADER-Region:
Lokale Aktionsgruppe (LAG)
der LEADER-Region Eifel
beim Naturpark Nordeifel e.V.
Alexander Sobotta (LAG-Manager)
Steinfelder Str. 8
53947 Nettersheim
Tel.: 02486-911122
Fax: 02486-911116
sobotta@naturpark-eifel.de
www.leader-eifel.de
Projektträger:
RWTH Aachen
Lehrstuhl für Städtebau und Landesplanung
Wüllnerstr. 5-7
52062 Aachen
Tel: 0241-8095039
eaton@isl.rwth-aachen







