Moore und Heiden
Mit etwa 4.100 Hektar Gesamtfläche liegen im Hohen Venn die größten Naturschutzgebiete Belgiens. Seit 1992 sind dort Moore und Heiden sehr streng geschützt. In zahlreichen Beschreibungen werden die beeindruckenden, weiten, unbesiedelten Flächen der Hochebene als "unberührte Natur", als "wild", "natürlich" oder "intakt" bezeichnet. Der Schein trügt. Auch das Hohe Venn ist eine Kulturlandschaft mit vom Menschen verursachten Störungen und Veränderungen.
Nach dem Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 7500 Jahren, begann die Entstehung der Hochmoore. Durch ständiges Wachstum und Teilverrottung der Pflanzen, insbesondere der Torfmoose, bildeten sich mächtige Torfschichten auf ausgedehnten Flächen. Von den ursprünglichen Moorgebieten, die sich einmal auf etwa 1000 Hektar erstreckt haben, sind heute nur noch etwa hundert Hektar weitgehend vom Menschen unbeeinflusst.
Doch auch diese Restbestände, die sich auf drei Flächen verteilen, sind gefährdet. Sie sind zum einen durch Luftverschmutzung bedroht, zum anderen entziehen ihnen alte Gräben im Umland ihr Lebenselexier: das Wasser. Seit 1994 gibt es erste Versuchsflächen zur Reaktivierung absterbender Hochmoorbereiche.
Eine geologische Besonderheit im Venngebiet sind die Palsen, meist kreisrunde Bodenvertiefungen aus der Eiszeit, mit mehreren Metern Tiefe und Durchmesser. Dort konnten sich bereits sehr früh Torfmoose ansiedeln, so dass darin heute zwar kleine, aber sehr alte Hochmoore anzutreffen sind.
Moorgebiete sind seltene und ökologisch wertvolle Lebensräume, nicht nur im Hohen Venn. Was das Venngebiet jedoch einzigartig macht, sind die Pflanzenarten, die hier durch verschiedene Klimaeinflüsse zusammentreffen.
Im Frühling überziehen die Blüten von Moosbeere und Rosmarinheide aus dem Norden die Torfmoosteppiche mit weiß-rosa Tupfen. Im Juni bildet die atlantisch verbreitete Ährenlilie große Inseln aus leuchtend gelben Blüten in den Hochmoorgebieten. Aber nicht nur die Moore, auch die Heiden mit den Blau-, Rausch- und Preiselbeersträuchern sind erhaltenswerte Lebensräume, die gepflegt werden müssen. Ein seltener Bewohner, für den die Beeren unverzichtbarer Bestandteil des Speiseplans sind, ist das Birkhuhn.
Die weiten Pfeifengrasheiden sind das Ergebnis von Entwässerung und Übernutzung. Diesen menschlichen Eingriffen fielen Hochmoore und Wälder zum Opfer. Große Teile dieser Flächen wurden in der Preußenzeit mit der Fichte aufgeforstet, die heute das Waldbild im Venngebiet prägt. Andere Flächen nutzten die Bauern bis ins letzte Jahrhundert als Weide. Büsche und Bäume blieben dadurch klein. Heute werden im Rahmen der Naturschutzmaßnahmen die angesamten Fichten und Weiden der Heiden gelegentlich abgeholzt, um den offenen Charakter der Landschaft zu erhalten.
Zu den Themen Heiden, Moore und Naturschutzmaßnahmen bietet der Naturpark zahlreiche Veranstaltungen an.

