
Pflege von Hausschutzhecken
"Man muss schon schwindelfrei sein und das Gleichgewicht halten können, sonst fällt man herunter", ruft Gärtnermeister Herrmann-Josef Backes von der Spitze der ausgezogenen Leiter. Die Leiter ist gegen eine sechs Meter hohe Buchenhecke gelehnt, eine der typischen Hausschutzhecken, die in den Dörfern des Monschauer Heckenlandes das Ortsbild prägen.
Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts sind die Hecken im Monschauer Land urkundlich nachweisbar. Mit ihren eingeschnittenen Tür- und Fensteröffnungen sind die grünen Mauern in den Dörfern des Grenzgebietes eine landschaftliche Besonderheit der Nordeifel. Ihr landschaftsästhetischer Reiz ist unverkennbar, und es kommt nicht von ungefähr, dass einige Dörfer des Monschauer Heckenlandes im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" hohe Auszeichnungen errangen.
Schutz für Haus und Hof
Die Buchenhochhecken bilden zu allen Wetterlagen einen Schutz für Haus und Hof. Im Sommer lässt der kühle Schatten dieser lebenden Wände die Hitze im Garten erträglich werden. Gelegentlich bemerkt man durch eine der Toröffnungen einen farbenprächtigen Bauerngarten mit Mohn, Malven und Kapuzinerkresse. Die Hecken wurden einst angepflanzt, um im Winter Schutz gegen die eisigen Winde der benachbarten Vennhochflächen zu bieten.
Während der kalten Jahreszeit behalten die riesigen Buchenwände ihre verdorrten, rostfarbenen Blätter und halten auf diese Weise zusätzlich den Wind fern. Der Wetterschutz war in der Vergangenheit besonders wichtig, denn Heizung und Isolierung der Häuser waren weit weniger gut als heute.
Die Hecken ergänzen in Form und Funktion die traditionelle Dorfarchitektur im Monschauer Heckenland: beides ist auf Wetterschutz ausgerichtet. Winkelhöfe mit zwei im rechten Winkel aufeinanderführenden Gebäudeteilen sind hier häufig. Hochhecken umschließen den Hof von den offenen Seiten so, dass er ein vollständig geschütztes Viereck bildet. Typisch für den traditionellen Wetterschutz im Monschauer Heckenland ist auch das breite, niedrige "Vennhaus" mit seinem einseitig tiefgezogenen Dach. Charakteristisch sind die Naturmaterialien, aus denen die alten Fachwerkhäuser bestehen. Die Holzgerüste sind mit Flechtwerk aus Holz durchzogen, das anschließend mit Lehm ummantelt wurde.
Lebensraum
"Das Landschaftsgesetz schreibt vor, Hecken im Winter zu pflegen, vor allem bei größeren Eingriffen. Das ist sinnvoll, denn die niedrigeren Temperaturen reduzieren die Infektionsgefahr der Bäume an den Verletzungsstellen. Die Beseitigung des jährlichen Zuwachses ist jedoch ein kleinerer Eingriff und kann jederzeit erfolgen - am besten im August", erläutert der Gärtnermeister. "Dann ist die zweite Vogelbrut vorbei, die Jungvögel sind flügge und man stört Amseln und Buchfinken nicht mehr beim Brutgeschäft. Letztes Jahr hat eine Singdrossel in dieser Hecke gebrütet. Unsere Nachbarn haben ein Girlitznest", fügt er hinzu und deutet mit dem Kopf zur nächsten Hecke. Die Girlitze haben das Nest vor zwei Wochen verlassen. Ein paar braune Hennen ruhen jetzt noch in schattigen Mulden unter der grünen Wand.
Alte und neue Technik
Die Leiter wippt unter den Bewegungen des Gärtners. "Heckenbesitzer, die eine stabilere Unterlage bevorzugen, leihen sich heutzutage einen Gabelstapler aus und arbeiten von einer erhobenen, größeren Standfläche aus. Beides hat Vor- und Nachteile.
Mit einer Leiter ist man beweglicher. Mein Vater arbeitete noch mit einer mechanischen Schere. Das war wesentlich zeitaufwendiger. Aber zu jener Zeit wurden die Hecken auch noch nicht so akkurat gepflegt wie heute. Funktion war früher wichtiger als Form. Mit den modernen Maschinen können wir heute die Hecken viel perfekter aussehen lassen".
Perfekte Hecken
"DIE perfekte Hausschutzhecke gibt es nicht. Dennoch gibt es ein paar Faustregeln, wie man eine Buchenschutzhecke behandelt, damit sie attraktiv aussieht und lange erhalten bleibt.
Sofern die Besitzer Vieh halten, müssen die Hausschutzhecken natürlich durch Zäune vor Viehverbiss geschützt werden, denn Kühe und Pferde fressen das Buchenlaub gerne als Beikost zum Gras. Sie zerstören aber damit die Hecke.
Die Neupflanzung einer Hecke sollte im Herbst oder Frühjahr ein- oder zweireihig erfolgen. Vom dritten Jahr an wird sie verflochten, d.h. die Zweige werden ohne weiteres Hilfsmittel miteinander verdreht und nach innen gesteckt. Aus diesem Grund sieht man heute in alten Hecken noch gelegentlich gekreuzte und miteinander verwachsene Stämme. Ab dem sechsten Jahr sollte die Hecke regelmäßig beschnitten werden.
Beim Schneiden kann man zwei Wege beschreiten - entweder man lässt sie direkt als Hochhecke wachsen und schneidet immer nur seitlich, oder man schneidet sie auch von oben und lässt über mehrere Jahre dann immer ein paar Dezimeter mehr an Höhe zu. Man muss auch auf eine ausreichende Breite der Hecke achten. Siebzig Zentimeter oder ein Meter Breite an der Basis sind bei sechs Metern Höhe angebracht. Sonst bricht der Wind ein oder man fällt man bei der Pflege mit der Leiter hindurch. Eine gute Hecke hat eine etwas konische Form. Die Basis ist breiter und nach oben läuft die Hecke schmal aus."
Torbogen und Totholz
Der Gärtnermeister hat die Schnittarbeiten beendet und befördert das Schnittgut mit einem Blasegerät unter dem Torbogen zu einem Haufen zusammen. "Mein Vater hat diese Arbeit früher mit dem Besen gemacht. Die modernen Arbeitsgeräte sind natürlich komfortabler. Die Abfälle werden anschließend kompostiert." "Ein Torbogen wie dieser hier wird mit der Hilfe von Brettern und Stangen gestaltet. Sie werden zwischen den zwei Hecken links und rechts der Einfahrt in drei oder vier Metern Höhe eingezogen. Die austreibenden Buchenäste müssen immer wieder um die Stangen herumgeschlungen werden, so dass sich die beiden Heckenteile nach einigen Jahren in der Mitte treffen. Im Laufe der Jahre verfallen die Bretter und Stangen von selbst."
"Hier ist noch eine Arbeit für den Winter", fügt der Gärtnermeister hinzu und biegt ein paar Zweige der Hecke auseinander. Darunter steht ein toter Stamm. Er klopft auf das Holz, das sich hohl anhört und Löcher von Käfern und anderen Insekten aufweist. "Ich habe einmal den Nashornkäfer, eine geschützte Art, in einem solchen Stamm gefunden. Seitdem lasse ich tote Stämme immer noch zwei Jahre stehen, um solchen Tieren einen Lebensraum zu bieten. Dieser Stamm steht schon zwei Jahre und wird allmählich morsch. Ich nehme ihn nun im kommenden Winter heraus".
Prämierung
Für die Pflegemaßnahmen von Hausschutzhecken gewährt die Landschaftsbehörde Aufwandsbeihilfen. Dazu werden die Hecken alle zwei Jahre prämiert. Hecken ab drei Metern Höhe werden automatisch von den Gemeinden in die Bewertung aufgenommen und klassifiziert: Für die beste Note gibt es 47 Euro, für die schlechteste 12 Euro.
"Für den Einzelnen ist es nicht besonders viel - aber es ist eine nette Geste", schmunzelt der Gärtnermeister. "Von dem Betrag kann man höchstens mal gut essen gehen".

