
Frühling im Perlenbachtal
Obwohl in den Dörfern des Grenzgebiets die Garten-Narzissen bereits in Blüte stehen, halten sich die etwas kleineren, wilden Narzissen in den Naturschutzgebieten der Rureifel und des angrenzenden Hohen Venns noch zurück. In den Bachtälern ist es vor allem nachts noch recht kühl, und nur an den wärmeren Südhängen ist es der Sonne gelungen, die ersten Blüten der freundlichen Frühlingsboten herauszulocken.
Unterschiedliche Gesetzgebung im Grenzgebiet
Wilde Narzissen sind in Deutschland sehr seltene Pflanzen, nur hier in der Eifel sowie im Hunsrück kommen sie vor und stoßen dabei an ihre östliche Verbreitungsgrenze. Aus diesem Grund sind sie bei uns vollständig geschützt, und man darf sie weder innerhalb noch außerhalb von Naturschutzgebieten pflücken oder ausgraben. Allerdings ist das Schädigen der wilden Narzissen keineswegs notwendig, denn die etwas größeren Garten-Narzissen sind überall und in vielen Formen im Handel preiswert erhältlich.
Ein wenig anders sind die Verhältnisse in Belgien. Hier sind wilde Narzissen keineswegs selten, denn ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in atlantisch beeinflussten Regionen mit hohen Niederschlagsmengen, und die Ardennen und ihre Ausläufer gehören dazu. Wegen ihrer Häufigkeit ist die Narzisse in Belgien nicht vollständig geschützt. Zwar dürfen auch in den dortigen Naturschutzgebieten Narzissen nicht abgerupft werden, außerhalb jedoch dürfen unsere Nachbarn sich einen Handstrauß mit 10 Stängeln aus der Natur holen. Dass es dabei häufig Übertretungen gibt, darüber klagen vor allem die Förster grenznaher Reviere, denn sie sind dort für die Umsetzung des Naturschutzes verantwortlich. Immer wieder werden Narzissen korbweise aus den belgischen Gebieten herausgeschleppt. Aus diesem Grund kontrollieren die Förster die Narzissengebiete dort während der Blütezeit besonders häufig.
Dabei ist es sowohl für den Wuchsort als auch für die Menschen besser, wenn die wilden Narzissen dort bleiben, wo sie natürlicherweise wachsen. Denn nur dort können sie ihre Rolle im weitverzweigten Beziehungsnetz ihres Lebensraumes erfüllen, und für uns Menschen bedeuten intakte Lebensräume in unserer Umgebung ein weiteres Stück Lebensqualität.
Naturschutzmaßnahmen
Der Erhalt der Bachtäler mit den narzissenreichen Talwiesen war keineswegs von Anfang an gesichert. Grenzüberschreitendende Naturschutzprojekte im Oleftal und im Perlenbach-/Fuhrtsbachtal, an denen Behörden und Naturschutzgruppen beteiligt waren, haben hier das Handeln gebündelt und in wirkungsvolle Wege geleitet. Denn durch Fichtenanpflanzung waren die Narzissenwiesen dort in ihrem Bestand bedroht.
Dass die Narzissen hier vorkommen, verdanken wir neben dem klimatischen Einfluss der ständigen Arbeit der Bauern, die diese Talwiesen des Heus wegen seit Jahrhunderten gemäht und nur in sehr geringem Maße gedüngt haben.
Nach dem zweiten Weltkrieg lohnte sich in Anbetracht der Ertragssteigerungen durch Kunstdünger das Mähen dieser dorffernen Talwiesen nicht mehr, daher wurde mit Fichten aufgeforstet. Es bedarf keiner großen Fantasie, sich vorzustellen, wie die Narzissen aus einem sich schließenden Fichtenbestand verdrängt, ausgedunkelt und zum Verschwinden gebracht wurden.
Die Ausweisung des Perlenbach-/ Fuhrtsbachtals als Naturschutzgebiet im Jahre 1976 konnte zwar dort das Fortschreiten der Verfichtung aufhalten, die Naturschutzgesetzgebung reichte jedoch nicht aus, um bestehende private Fichtenanpflanzungen rückgängig zu machen. Daher wurden mit hohen Geldsummen Flächen aufgekauft und entfichtet.
Zahlreiche Besucher
Professor Wolfgang Schumacher von der Nordrheinwestfalen-Stiftung: "Diese wertvollen Talwiesen wurden für jeden von uns zur Freude an der Natur erhalten. Die positiven Erfahrungen, die man bei der Erholung in der Natur nach Hause trägt, sollen Ansporn dazu sein, sich weiter für Naturschutz und den Erhalt unserer Landschaft einzusetzen."
Die Besucher, die hier in der Rureifel alljährlich die Narzissenpracht im Frühling genießen, sind zahlreich. An den sonnigen Nachmittagen der Sonntage können die vorhandenen Parkplätze die Fahrzeugmassen der Anreisenden kaum fassen. Günstiger für einen Besuch sind daher die Vormittage oder die Werktage.






