
Sommer im Naturschutzgebiet Perlenbach-/Fuhrtsbachtal
"Perlenbach" - der Name dieses Baches im deutsch-belgischen Grenzgebiet klingt nach reichen Schätzen. In diesem Fall zu Recht - bis vor 200 Jahren bedeckten die großen, kräftigen Schalen der Perlmuschel in ausgedehnten Pflastern das Bachbett des Perlenbaches.

Sie wurde geschützt durch die strengen Regeln des sogenannten "Perlregals". Ausschließlich Perlfischer bewachten und ernteten die Perlen, Perlräuberei wurde mit dem Tode bestraft. Mit dem Einmarsch der Franzosen 1794 erlosch das Perlregal, und ein unsachgemäßer Raubbau an den Perlmuscheln begann.
Dennoch konnten die Tiere die Verluste durch Vermehrung ausgleichen. Erst die tiefgreifenden Veränderungen in unserem Jahrhundert am Bachbett, am Ufer und im Umland zerstörten den Lebensraum und die Vermehrungsmöglichkeiten der Muschel so nachhaltig, dass sie hier als ausgestorben gelten kann.
Dennoch finden sich auch heute noch viele natürliche Schätze im Perlenbach- und angrenzenden Fuhrtsbachtal. Wie fliegende Edelsteine wirken die tiefblau gefärbten Prachtlibellen, wenn sie um ihre Reviere am Bachufer kämpfen. Perlmutter- und Feuerfalter sind hier nicht selten. Ökologisch wertvolle Bachröhrichte und Hochstaudenfluren mit der fedrig-weißen Spierstaude bilden die Lebensgrundlage für zahllose Insekten, von denen sich ein artenreicher Vogelbestand ernährt. Hier kommt die Wasseramsel vor, ein Singvogel, der sich seine Insektennahrung tauchend aus dem fließenden Bach holt.
Eine Besonderheit sind die mageren Gebirgswiesen mit der weißen Bärwurz, der blauroten Berg-Platterbse, purpurfarbenem Heilziest, "schwarzer" Flockenblume sowie der leuchtend gelben Arnika. An warmen Stellen sind die Wiesen mit violettem, aromatisch duftendem Thymian gesäumt.
Der Artenreichtum dieser Bachtäler ist in ihrer jahrhundertealten Tradition als Mähwiesen begründet. Hier hat es nie intensive Landwirtschaft und Überdüngung gegeben. Die Erhaltung dieser wertvollen Kulturbiotope mit ihrer Artenvielfalt erfordert heute eine gewisse Pflege.
Im Rahmen eines grenzübergreifenden Naturschutzprojektes werden die Wiesen nun auf deutscher und auf belgischer Seite durch regelmäßiges Mähen von der Verbuschung freigehalten. Auch die in den letzten Jahrzehnten aufgeforsteten Fichten werden zurückgedrängt. Bestehende Reste von Bruch- und Auenwäldern sollen erweitert werden. Die Maßnahmen am Bach schließen unter anderem die Bepflanzung mit naturnahem Uferbewuchs und die Wiedervernässung trockengelegter Wiesen ein.






