Jäger in der Nacht
Säugetiere
Als echte Säugetiere tragen sie ein Fell und säugen ihre Jungen mit Muttermilch. Ihre Vorderbeine haben sich im Laufe der Evolution zu Flügeln mit Hautflächen umgebildet, mit denen sie sehr geschickte Flugmanöver vollbringen können. Die einheimischen Fledermausarten ernähren sich ausschließlich von Insekten. Durch ihre nächtliche Lebensweise stellen sie denjenigen Insekten nach, die die tagaktiven Vögel nicht fangen und erfüllen so wichtige Funktionen im Naturhaushalt unserer Landschaft. Man hat errechnet, dass eine einzelne Fledermaus im Verlauf eines Sommers 0,5 bis 1 kg Insekten vertilgen kann. Das entspricht immerhin einer Menge von einer viertel bis einer halben Million Stechmücken.
Unterschiedliche Quartiere
Hinter dem Wort "Fledermaus" verbergen sich verschiedene Arten mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen an ihre Umwelt. So wird z.B. der große Abendsegler sein Sommerquartier nur selten in einem Dachboden beziehen, während ein großes Mausohr nur ausnahmsweise in einer Baumhöhle zu finden sein wird. Andere Arten kriechen bevorzugt in tiefe enge Spalten und wieder andere, wie etwa die Langohrfledermäuse, verstecken sich tagsüber gerne zwischen Dachziegeln.
Verschiedene Jagdweisen
Ebenso wie bei der Quartierwahl zeigen sich bei den verschiedenen Arten auch große Unterschiede in der Jagdweise. Wasserfledermäuse jagen bevorzugt nur wenige Zentimeter über den Gewässern, Abendsegler hoch oben zwischen den Baumkronen und von Mausohren ist sogar bekannt, dass sie auf dem Boden "zu Fuß" Käfer erbeuten können. Auch bei der Jagdzeit und der Größe der Beuteinsekten hat jede Art ihre Eigenheiten. Sie bewirken, dass durch unterschiedliche Ansprüche die Konkurrenz zwischen den Arten möglichst klein bleibt. Die einheimischen Fledermausarten sind für Laien nur mit Mühe auseinander zu halten.
Bedrohte Arten
In Deutschland kamen bis zur Jahrhundertwende noch 20 Fledermausarten regelmäßig vor. Ihre Bestände haben jedoch so stark abgenommen, daß sämtliche Fledermausarten in die " Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten" aufgenommen wurden. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen vom Verlust ihrer Quartiere über den lebensfeindlichen Umbau unserer Landschaft bis hin zur Verminderung des Nahrungsangebotes. Die Ansprüche der Tiere an ihre Quartiere und die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse sehr hoch und bis heute nicht für jede Art genau bekannt.
Ab Mai versammeln sich die Fledermausweibchen in sogenannten Wochenstuben, in denen sie gemeinsam ihre Jungen - meist eines pro Weibchen, bei kleinen Arten Zwillinge - zur Welt bringen. In älteren Berichten ist von Ansammlungen von über 1000 Tieren zu lesen, heute sind bereits hundertköpfige Kolonien eine Besonderheit. Die Männchen sind zu dieser Zeit Einzelgänger, die sich erst im Spätsommer wieder zu den Weibchen gesellen.
Winter- und Sommerquartiere
Während als Sommerquartiere warme Dachböden, Mauerspalten oder Baumhöhlen bewohnt werden, halten die Tiere ihren Winterschlaf bevorzugt in feuchten, um 5°C warmen Höhlen und Stollen. Nur wenige Fledermausarten leben das ganze Jahr über in Baumhöhlen. Sommer- und Winterquartier können manchmal sehr weit voneinander entfernt liegen: von einigen Arten sind Zugstrecken von 500 oder sogar 1000 km quer durch Europa bekannt. Die Tiere sind außerordentlich quartiertreu und können über viele Generationen immer wieder zum selben Dachboden oder Stollen zurückkehren.
Ultraschall
Fledermäuse können nur schlecht sehen. Sie orientieren sich durch Echoortung, mit der sie noch Tiere von der Größe einer Mücke bei völliger Dunkelheit aufspüren und fangen können. Dabei stoßen sie Schreie im Ultraschallbereich aus, deren Echo ihnen Informationen über ihre Umgebung liefert.
Schutzmaßnahmen
Unsere Wirtschaftswälder bieten baumhöhlenbewohnenden Fledermausarten nur wenige Wohnmöglichkeiten. Sie benötigen Altholzzonen und alte Einzelbäume mit Spechthöhlen als Wohnort. Auch der völlige Verschluss von Dachböden und Kirchtürmen hat viele Fledermäuse verdrängt, die dort ihre Sommerquartiere bezogen. Fledermäusebenötigen unseren besonderen Schutz. Daher werden im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen heute alte Stollen und Höhlenbereiche abgesperrt, die den Fledermäusen ungestörte Sommerquartiere bieten. Natürlich wird dabei darauf geachtet, die Zugänge "fledermausgerecht" zu gestalten: die Gitterstäbe sind wagerecht angeordnet, so dass die Tiere unbeschadet mit ausgestreckten Flügeln hindurch gelangen können. Auch Fledermauskästen werden als Ersatz für natürliche Baumhöhlen aufgestellt.







