Hecken im Deutsch-Belgischen Naturpark
Hecken haben die Landschaft des deutsch-belgischen Naturparks seit Beginn ihrer Besiedelung geprägt und nehmen noch heute als landschaftsgestaltende Lebensräume wichtige Funktionen ein.
Obwohl die Erfindung der ersten Hecke nicht dokumentiert ist, macht es keine besonderen Schwierigkeiten, die Entstehung von Hecken herzuleiten. Hecken wurden von unseren Vorfahren wohl zusammen mit der Einsicht entdeckt, dass es sich von Ackerbau und Viehzucht angenehmer leben ließ als vom Jagen und Sammeln. Um ihre Viehherden über Nacht vor wilden Tieren zu schützen, bauten sie Gebüsche zu Verhauen aus. Sie schlossen Lücken zwischen den Gebüschen mit eingerammten Ästen und verflochten die Zweige miteinander. Einige dieser Äste schlugen Wurzeln und ergrünten: die gepflanzte Hecke war erfunden.
Weißdorn fürs Vieh
Hecken sind noch heute besonders gut in Gebieten entwickelt, wo Viehhaltung betrieben wurde. Bis zur Verbreitung des Stacheldrahtes nach dem ersten Weltkrieg wurden im belgischen Teil des Naturparks fast ausschließlich dichte, niedere Weißdornhecken als Umgrenzung für Viehweiden verwendet. Wegen seiner Dornen wird der Weißdorn vom Vieh verschmäht. Noch heute überziehen die Weißdornhecken netzartig die grünen Hügel des Eupener Butterländchens. An einigen Stellen der Weiden lassen die Bauern die Niederhecken zu Schirmhecken hochwachsen. Der dachartige Überstand der Baumwipfel schützt das Vieh gegen kalte Winde und Schauer, aber auch gegen stechende Sonne. Attraktiver Blickfang sind gelegentlich die Pfosten aus regionaltypischem Blaustein mit bunt angestrichenen Gattertoren, die den Eingang der umfriedeten Weiden bilden.
Buchen für den Schutz des Hauses
Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts sind die Hecken am Vennrand und im Monschauer Land urkundlich nachweisbar. Die beeindruckend hohen Hausschutzhecken mit ihren eingeschnittenen Tür- und Fensteröffnungen in Höfen und den benachbarten Dörfern bilden eine landschaftliche Besonderheit in der Rureifel und am Vennrand. Diese Buchenhochhecken bieten Schutz gegen kalten Wind und rauhes Wetter der Vennhochflächen. Selbst im Winter behalten die riesigen Buchenwände ihre verdorrten Blätter und tragen damit zum Wetterschutz bei. In den Hecken hat man bis zu 300 Jahre alte Bäume gefunden.
Bester Windschutz: Durchwachser
Besser noch als durchgehende Heckenwände schützen auf freiem Feld Durchwachserhecken gegen Wind und Kälte. Durchwachser sind Einzelbäume, die aus einer Niederhecke hervorragen. Die partielle Durchlässigkeit der Durchwachserhecke verhindert die Wirbelbildung bei Winden und verbessert die Temperaturkonstanz im Einflussbereich der Hecke.
Gepflegte Durchwachserhecken liefern wertvolles Brenn-, Werk- und Möbelholz. Die besonders alten Hecken und Baumreihen stehen auf kleinen Wällen, die die natürliche Bodenbildung und den Erosionsschutz im Laufe der Jahrhunderte demonstrieren. Häufig bestehen diese kleinen Wälle in ihrem Inneren aus Lesesteinen, die von den Landwirten von der Feldmitte an den Rand geschafft wurden.
Vielfältige Lebensräume
Zu den Hecken im weitesten Sinn gehören auch kleine Gebüschgruppen und Flurgehölze. Wie vernetzte Inseln liegen sie in der Wiesen- und Ackerlandschaft und bieten Tieren und Pflanzen Lebensraum. Besonders abwechslungsreiche Hecken und Gehölzgruppen gibt es in der Hocheifel im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Hier beschränken sich die Baumarten nicht auf eine Art, wie die Weißdornhecken des Herver Landes oder die Buchenhecken des Monschauer Heckenlandes. Hier ist das Markenzeichen der Hecken die bunte Artenvielfalt: Weiden, Birke, Vogelbeere, Schwarzdorn, Hasel, Hainbuche, Eiche, Ahorn - selbst Linden kommen als Durchwachser vor. Brombeersträucher und Windengewächse wie das Waldgeißblatt verdichten die Flurgehölze zu schützenden Fluchtburgen für Insekten, Vögel und kleine Nager. Auch Insektenfresser wie die Spitzmäuse sind hier zu Hause. Diese Kleintiere stehen wiederum auf dem Speiseplan von Hermelin, Wiesel, Bussard und Eule.
Korridor für Zugvögel
Besonders wertvoll sind die Hecken für die Zugvögel im Herbst. Nicht alle Zugvögel fliegen in großen Schwärmen und über lange Strecken. Viele Arten machen sich einzeln auf die Reise. Nahezu unbemerkt hüpfen oder fliegen von einem Ast zum andern, dann zum nächsten Baum, schließlich zur benachbarten Gebüschgruppe - immer in Richtung Süden. Auf diese Weise legen sie beachtliche Strecken zurück, bleiben jedoch stets in Deckung und an der Nahrungsquelle. Hecken bilden Korridore in der Landschaft, an denen Zugvögel entlangreisen.
Nutzen für den Menschen
Doch nicht nur für die Ernährung der Tiere spielen Hecken eine bedeutende Rolle. Die Früchte der Sträucher sind seit jeher auch Nahrungsmittel und Medizin des Menschen gewesen: schmackhafter Brotaufstrich aus Brombeeren und Himbeeren, Saft aus schwarzen Holunderbeeren oder Tee aus Hagebutten oder Lindenblüten sind althergebrachte Produkte. Daneben haben die Hölzer aus Hecken in der Vergangenheit als Brenn- und Werkholz gedient. Rechen, Besen, Teile von Küchen- oder Arbeitswerkzeugen sind aus den heimischen Heckenhölzern hergestellt worden.
Noch eine beachtenswerte Funktion haben Flurgehölze für den Menschen. Kleinere Hecken, Gebüsche oder Einzelbäume zieren Monumente am Wegesrand, wie Wegekreuze, Kapellen oder Kriegsdenkmäler. In Dörfern wie Eicherscheid und Rohren gibt es große Dorfbäume - Linden und Eichen - unter denen Urteile gesprochen und Feste gefeiert wurden. Gebüsche und Bäume sind Landschaftselemente, die in den sozialen Prozessen der dörflichen Gemeinschaften schon immer einen festen Platz eingenommen haben.


