Hochmoore im Hohen Venn
Die Rolle der Torfmoose in Hochmooren
Hochmoore sind Lebensräume, die seit der letzten Eiszeit über Jahrtausende gewachsen sind. Eine zentrale Bedeutung bei der Entstehung der Hochmoore kommt den Torfmoosen zu. In eigenen Zellen speichern sie große Mengen an Wasser und scheiden im Austausch gegen Nährstoffe Säure aus.
Durch die Säureabscheidungen der Torfmoose und durch Sauerstoffmangel in den tieferen Bereichen kann sich das abgestorbene Pflanzenmaterial, das nach unten sinkt, nur zu einem sehr geringen Teil zersetzen.
Es sammelt sich daher über Jahrhunderte und Jahrtausende zwischen der Pflanzendecke und dem mineralischen Boden an.
Die Rolle des Wassers in Hochmooren
Im Laufe der Zeit entstehen so die meter dicken Torfschichten, die für die Hochmoore charakteristisch sind. Die oben aufsitzende Pflanzendecke hebt sich auf diese Weise langsam über ihre Umgebung hinaus.
Im Laufe der Zeit nehmen die Torfmoose aufgrund ihrer wasserbindenden Eigenschaften auch den Grundwasserspiegel mit nach oben: In der stets durchnässten Torfschicht, die Millimeter um Millimeter wächst, befindet sich der Wasserspiegel auf der Höhe der Torfmoose. Er hebt sich auf diese Weise im Laufe der Jahrtausende über den Grundwasserspiegel der Umgebung hinaus.
Wird das Wasser durch Entwässerungsgräben aus den oberen Torfschichten abgeleitet, trocknen die Torfmoose aus und gehen ein. Andere Pflanzen wie das Pfeifengras siedeln sich an, und das Moor hört auf zu wachsen. Es verwandelt sich von einem "lebenden" oder "aktiven" Hochmoor in ein "totes" oder "inaktives" Hochmoor.
Entwässerung und ihre Folgen
Entwässerung wurde in der Vergangenheit in großem Maße im Venngebiet betrieben. Moorgebiete galten als "unwertes" Land und man versuchte bis in das letzte Jahrhundert hinein, den Torf abzubauen und die Flächen zu kultivieren.
Die aktiven Hochmoore sind heute die ökologisch wertvollsten Bereiche des Venngebiets. Von den ursprünglich etwa 1.000 ha sind nur noch wenig mehr als 100 ha erhalten.
Sie verteilen sich auf drei inselartige Flächen in der C-Zone des wallonischen Venns, des Cléfaye-Venns und in der D-Zone des Misten. Doch auch diese winzigen Flächen sind bedroht.
Auf diesen drei kleinen Inseln, die von über 4.000 ha Pfeifengrasfläche umgeben sind, wird das Niederschlagswasser vom Torfmoos in den oberen Torfschichten festgehalten.
In den umgebenden Pfeifengrasflächen sinkt es jedoch, sobald ein Regenguss beendet ist, nach unten. Das Wasser der noch intakten Fläche steht also höher als das Wasser in den gestörten Flächen.
Da Wasser (nach dem physikalischen Prinzip der verbundenen Röhren) immer die Tendenz hat, dieselbe Höhe einzunehmen, ist es nicht schwierig, sich vorzustellen, dass der niedrigere Wasserspiegel der Pfeifengrasflächen den höheren Wasserspiegel der intakten Hochmoore nach unten zieht.
Auf diese Weise wird den aktiven Hochmooren Wasser entzogen, vor allem an den äußeren Rändern. Dort vertrocknen die Torfmoose und werden vom Pfeifengras verdrängt. Die aktiven Hochmoorflächen werden auf diese Weise von den Rändern her zunehmend kleiner. Die Ursache sind die unmittelbar angrenzenden entwässerten Flächen.
Die Maßnahmen und ihre Wirkungsweise
Das Ziel der Renaturierungsmaßnahmen in den Hochmooren ist es, das weitere Absinken des Wasserspiegels im Randbereich der aktiven Hochmoore zu verhindern. Dies erfolgt durch das Einrichten einer größeren Menge von Renaturierungsflächen im Pfeifengrasbereich am Rande der intakten Hochmoore. Dort wird das Pfeifengras abgeplaggt und eine 20 cm tiefe Torfschicht abgetragen. In dieser Tiefe ist mehr Wasser verfügbar. Auf die nasse Fläche wird Torfmoos angepflanzt. Das Torfmoos entwickelt sich hier zu größeren Mengen und kann dann den Abfall des Wasserspiegels im Randbereich bremsen. Auf diese Weise werden über Jahre und Jahrzehnte hinweg die Hochmoorflächen langsam vergrößert.
Die Hochmoore müssen also nicht nur über besondere Besucherlenkungsmaßnahmen passiv geschützt, sondern auch durch Biotopmanagement-Maßnahmen aktiv gefördert werden.
Ein weiteres, noch völlig ungelöstes Problem ist der Eintrag von Luftschadstoffen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft, und der damit verbundenen Nährstoffanreicherung. In den letzten Jahren ist die verstärkte Einwanderung der Drahtschmiele in die intakten Hochmoore beobachtet worden. Die Drahtschmiele ist keine Hochmoorpflanze und kann eigentlich nicht dort leben, ihre Präsenz wird als Folge der Nährstoffanreicherung gedeutet.











