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Pingen im Golbacher Wald

Auf den Spuren des Eisensteins - Hist. Eisenindustrie bei Kall

Auch heute noch sind die Spuren einer vergangenen Eisenindustrie in der Landschaft der Eifel zu erkennen. Vor allem in der Umgebung von Kall weist die Landschaft noch zahlreiche Narben dieser industriellen Phase auf.

Eisenzeit

Erste Spuren von Eisenverhüttung in der Eifel finden sich bereits in der vorchristlichen Latène-Zeit: kleine kegelförmige Öfen aus gebranntem Lehm von 1 m Durchmesser. Sie hatten Luftlöcher in Bodennähe und eine kleine runde Gichtöffnung als Rauchabzug und Beschickungsloch. Mit diesen primitiven Öfen ließen sich zerkleinerte Eisenerzstückchen schmelzen. Die Römer übernahmen diese Technik und sorgten für eine weitere Verbreitung der Erzverhüttung in die Eifel.

Rennherde und Reidemeister

Im Frühmittelalter schmolz man das Erz in offenen Erdgruben, den sogenannten Rennherden, oder in niedrigen Schachtöfen. "Luppen" hießen die spröden und unreinen Metallklumpen, die man daraus gewann. Durch Hämmern und weiteres Erhitzen wurde das Roheisen in zäheres, schmiedefähiges Metall verwandelt.

Seit dem 15. Jahrhundert wurden in der Eifel Hochöfen betrieben. In den Hochöfen konnten erstmals sehr hohe Temperaturen erreicht werden, so dass das Eisen schmelzflüssig wurde und den Metallguss ermöglichte. Man verlegte die Hütten von den Höhen und Berghängen in die Bachtäler, um die Wasserkraft zur Bedienung der Blasebälge an den Öfen und zum Formen des Metalls durch große Hämmer zu nutzen. Die Hüttenwerke wurden von Reidemeistern geführt, die eine privilegierte Stellung im sozialen Gefüge einnahmen und Sonderrechte genossen. Das Wort "Reide-" oder "Reidt-" stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet soviel wie "aufbereiten". Die hochwertigen Erzeugnisse aus der Eifel wurden bald über die Grenzen hinaus bekannt.

Als Brennmaterial für den Schmelzprozess des Erzes wurde Holzkohle aus Buchenholz verwendet. Davon zeugen heute noch zahlreiche Meilerplätze in den Wäldern der Nordeifel.

Tagebau und Pingen

Der Abbau des Eisensteins erfolgte teilweise über Tage, wie auf dem "Stahlberg" im Golbacher Wald noch deutlich zu erkennen ist. Lagen die Vorkommen tiefer, wurden Schächte zu erzführenden Schichten im Boden angelegt - meist paarweise, mit einem Belüftungs- und einem Förderschacht. Die Einstiegsöffnungen dieser paarigen Schächte sind heute in der Umgebung von Kall noch in der Form von zahlreichen paarigen Bodenvertiefungen, den "Pingen", zu finden.

Aufwendige Vorbereitungen

Vor der Verhüttung wurde das Gestein von Erzwäschern "gewaschen", d.h. verlesen und von Steinklopfern zerkleinert. Am Waschen, das häufig an nahegelegenen Bächen durchgeführt wurde, waren häufig auch Frauen und Kinder beteiligt.

Auf der Hütte mussten ständig Sandbetten zum Auffangen des glühenden Metalls geformt werden. Beimengungen von Lehm und Pferdekot machten die Sandbetten haltbar.

Nach mehreren Schmelzvorgängen wurde der Innenausbau eines Ofens erneuert. Dieses "Stellen" war in der Anfangszeit der Hochöfen eine Facharbeit, für die man Meister aus der Wallonie kommen ließ. Der französische Einfluss dieser Zeit macht sich heute noch in einigen sprachlichen Hinterlassenschaften bemerkbar, wie z.B. in dem Begriff "Pütz", der sich vom französischen "puits" für "Bergwerkschacht" ableitet.

Störungsfrei arbeiten mussten auch die großen Blasebälge, die dem Hochofen während des Schmelzprozesses Luft zuführten. Sie wurden vor einem Schmelzvorgang gefettet oder mit neuen Ledern bespannt. Vor der Inbetriebnahme wurde ein Ofen mehrere Tage lang getrocknet und vorgeheizt. Zum Schmelzen befüllte man ihn mit Holzkohle und Erz. Schmelzer und Aufgeber kontrollierten den Schmelzvorgang und trennten beim Abstich das flüssige Roheisen von den Steinschlacken. Während der sogenannten "Hüttenwochen" wurde der Hochofen unausgesetzt befüllt und abgelassen.

Nachbereitung

Nach dem Hochofenprozess wurde das nicht schmiedbare Roheisen in einem weiteren "Frischverfahren" noch einmal erhitzt, entkohlt, in zähflüssige Luppen zerteilt und zu den benachbarten Hammerwerken gebracht. Hier trieben Wasserräder mächtige Hämmer, unter deren ohrenbetäubendem rhythmischen Schlag die Luppen "gereckt" wurden: der Schmied erhitzte das Eisen immer wieder im Feuer und hielt es so geschickt unter den Hammer, dass es die Form einer Sense oder eines anderen Werkzeuges annahm.

In den Eifeler Industriebetrieben wurden Gebrauchsgegenstände des Alltags wie Töpfe, Nägel, Hufeisen, Öfen, aber auch Baumaterialien und Waffen hergestellt.

 



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