Naturpark Hohes Venn - Eifel

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Küchenschelle

Naturschutzgebiet Hundsrück

Wer aufmerksam in der Kalkeifel spazieren geht oder wandert, kann hier außerordentlich viele kulturgeschichtliche und naturkundliche Kleinode antreffen. Zu den ökologisch wertvollsten Bereichen der Kalkeifel gehören die blütenreichen Kalkmagerrasen, die zu den unterschiedlichen Zeiten des Jahres die Besucher mit prächtigen Farben erfreuen.

Ein Naturschutzgebiet mit einer botanischen Besonderheit ist der "Hundsrück" im Gillesbachtal bei Wahlen. An den steilen Hängen blühen sehr zeitig die Küchenschellen, die stellenweise in großen Massen auftreten und mit ihren violetten Glocken bereits Ende März den Frühling einläuten. Blaugras und Bergsegge sind die weniger auffälligen Begleiter solcher violetter Blütenrasen.

Der Name der Küchenschelle leitet sich von einer Verkleinerungsform der Kuh ab, vom "Küh-chen". Man kann sich leicht vorstellen, wie das Vieh früher über die Triftweiden wanderte, wobei die Leittiere eine Glocke trugen. Die Pflanze ist giftig und wurde schon in der Keltenzeit als Heilpflanze verwendet. Ihr Wirkstoff, das Protoanemonin, besitzt eine starke Reizwirkung und hilft gegen Menstruationsbeschwerden, Kopfschmerzen und Hautleiden.

Die Kalkmagerrasen sind ein kulturgeschichtliches Dokument der in der Kalkeifel einst praktizierten Bewirtschaftungsformen. Deutlich sind an einem der Steilhänge noch die ehemaligen Terrassen erkennbar: an dieser Stelle wurde einst Ackerbau betrieben. Doch erst die früher hier übliche Weidewirtschaft mit Schafen machte die Entstehung der Magerrasen möglich und garantierte ihren Erhalt.

Das Beweiden übt einen starken Einfluss auf die Artenzusammensetzung der Fläche aus. Nur bestimmte Pflanzen ertragen es, regelmäßig abgefressen zu werden - Büsche und Bäume in aller Regel nicht. Überleben können nur solche, die sich gegen das Abfressen wehren können, wie der Schwarzdorn, den die Schafe wegen seiner dornenförmigen, stechenden Kurztriebe meiden.

Die zahlreichen Schwarzdorndickichte bereichern dieses Naturschutzgebiet und bieten Vögeln wie dem seltenen Neuntöter Ansitz und Unterschlupf, den häufigeren Arten wie den Amseln sind die blauen Beeren im Herbst eine willkommene Erweiterung des Nahrungsangebotes. Der Blütenreichtum dieser Gebüsche im April bildet eine wichtige "Bienenweide" während der frühen Jahreszeit.

Durch die Aufgabe der Schafbeweidung in den letzten Jahrzehnten kamen jedoch Gebüsche so vermehrt auf, dass sie die von viel Sonnenlicht abhängigen Kräuter beschatteten. Außerdem verfilzten die Magerrasen im jährlich absterbenden Gras. Die Bestände der für die Magerrasen typischen Gräser und Kräuter gingen zurück.

Durch die Wiedereinführung der Beweidung mit alten Schafrassen und durch Mahd werden seit einigen Jahren gezielt Maßnahmen zum Erhalt der Magerrasen durchgeführt. Seitdem haben sich viele der seltenen Pflanzen wieder vermehrt.

Moderner Naturschutz wie die Wiedereinführung der Beweidung muss in unsere Wirtschaftskreisläufe eingebunden sein, sonst bleibt er unbezahlbar. Daher ist es wichtig, dass über den Vertragsnaturschutz die einheimischen Landwirte in die Pflege und den Erhalt unserer Landschaft mit eingebunden werden.

 



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