
Naturschutzgebiet Schönecker Schweiz
Bevor Ende Mai der Wald endgültig sein dichtes Blätterdach ausbildet und den Waldboden verdunkelt, nutzen die Waldkräuter die lichtreiche Zeit zum Blühen. Vor allem in der Kalkeifel, hier im Naturschutzgebiet der Schönecker Schweiz, sind die Waldkräuter besonders artenreich.
Geschützte Pflanzen
Hohler Lerchensporn, Waldbingelkraut, Schlüsselblume, Buschwindröschen und Aronstab bilden blütenreiche Decken unter den hohen Buchen. Diese Kalkbuchenwälder sind das landschaftliche Markenzeichen der Kalkeifel und halten auch Seltenheiten wie Seidelbast und Akelei vor. Hier findet man auch die zwiebeltragende Zahnwurz mit ihren merkwürdigen Brutzwiebeln in den Blattachseln, über die sie sich vermehren kann.
Die Eifeler Kalkmulden, darunter die Prümer Kalkmulde mit der Schönecker Schweiz, prägen das Landschaftsbild der Kalkeifel. Typisch für die Schönecker Schweiz sind die wuchtigen Dolomitblöcke, die im Wald verstreut liegen. Im Schatten ihrer Wände wachsen Tüpfelfarn, Streifenfarn und wilde Stachelbeere. Bekannt ist die Jungfernlay im Schalkenbachtal.
Charakteristisch für kalkigen Untergrund sind die Klufthöhlen in der "Hohllay", wo das Wasser Hohlräume aus dem Felsen gelöst hat. Bachschwinden, in denen Bäche einfach im Boden versickern, sind weitere typische Karsterscheinungen des Kalkbodens.
In der Nähe der Bäche kommen artenreiche Schluchtwälder vor. Markante Felspartien und senkrecht abfallende, farnreiche Wände beeinflussen das Kleinklima vor Ort und bilden eine dramatische Kulisse für Edellaubhölzer wie Bergahorn, Bergulme, Sommerlinde und Esche. Silberblatt, Goldnessel und Wunderveilchen bereichern als blühende Farbtupfer den Waldboden.
Seltene Tiere
Auf den Kalkmagerrasen der angrenzenden Wiesen lebt eine besondere Tierwelt mit zahlreichen gefährdeten Arten. Beeindruckend ist die große Artenzahl der Bläulinge im Sommer.
Ihre Unterscheidung ist fast eine eigene Wissenschaft, denn nur geringe Farbunterschiede zeichnen die verschiedenen Arten aus. Interessant ist, dass zum Beispiel der Heidewiesenbläuling in Symbiose mit Ameisen lebt. Die Raupen leben zunächst von Pflanzen, und werden dabei von Ameisen besucht. Diese "betrillern" die Raupen, d.h. sie betasten sie intensiv mit ihren Fühlern. Das veranlasst die Raupen, einen Tropfen Nahrungsflüssigkeit aus einer Drüse am Rücken abzugeben, den die Ameise ihrerseits aufnimmt. Nach einiger Zeit wird die Raupe als lebender Nahrungsspender in das Ameisennest geschleppt, doch hier entpuppt sie sich nun als Schmarotzer. Sie frisst ihrerseits die Ameisenbrut, überwintert im Nest, verpuppt sich im Frühjahr, schlüpft und verlässt dann das Ameisennest, um den gleichen Zyklus wieder neu in Gang zu setzen.
Doch auch die weniger farbenprächtigen Insekten sind eine interessante Lebewelt: so der Warzenbeißer, eine Singschrecke mit langen Fühlern, die sich überwiegend von anderen Insekten, gelegentlich auch von Pflanzen ernährt. Früher hat man diese Heuschrecken gefangen, um sie auf Warzen an den Händen zu setzen. Der Saft, den diese Tiere beim Hineinbeißen in die Haut abgeben, soll Warzen zum Verschwinden bringen.
Der Insektenreichtum von blütenreichen Magerwiesen ist beachtlich. In großen Mengen leben die - meist geflügelten - Summer und Brummer in der Nähe ihrer nektarspendenden Nahrungsquellen und bilden einen bedeutenden Teil im Nahrungsnetz des Naturhaushaltes. Vor allem für die insektenfressenden Vögel wie Schwalben und Mauersegler, aber auch für Kleinsäuger, Frösche und Feuersalamander bilden sie eine lebenswichtige Voraussetzung. Der Erhalt dieser Nahrungsnetze ist eine der wesentlichen Aufgaben unserer Naturschutzgebiete.






